Home » Posts tagged 'Bergwerk'

Tag Archives: Bergwerk

Bergwerktauchen in Miltitz

Plan MiltitzDas Tauchen in Bergwerken ist immer wieder eine besonders aufregende, leider aber auch gefährliche Sache. Man befindet sich jederzeit in einer Umgebung, bei der ein direktes Auftauchen an die Wasseroberfläche nicht möglich ist.

Beim Bergwerk in Miltitz-Roitzschen handelt es sich um ein altes Kalkbergwerk, in welchem bis 1924 Kalk – und auch ein wenig Silbererz – abgebaut wurden. Während dem zweiten Weltkrieg diente das Bergwerk als U-Verlagerung für eine Benzinfabrik. Noch heute gibt es ca. 80-minütige Führungen durch das Bergwerk (http://www.kalkbergwerk.de/), und in den Wintermonaten kann es auch – sofern die Voraussetzungen erfüllt werden – auch betaucht werden.

Um in dem Bergwerk tauchen zu können, muss die Ausrüstung erst einmal zu Fuß in den Berg gebracht werden, am Besten mit einer geeigneten Karre. Im Bergwerk selbst gibt es für Taucher Anrödeltische, an denen das Equipment zusammengebaut und angelegt werden kann, und auch eine schöne Plattform für den leichten Ein- und Ausstieg in den überfluteten Bereich.

Die 6-Meter-Sohle hat einige Bereiche, in denen man den Kopf aus dem Wasser stecken kann. Von dort aus geht es an mehreren Stellen in den tieferen Bereich. Auf ca. 18m Tiefe ist ein langer Stollen, in dem ein künstliches Skelett liegt, die Adolf-von-Heynitz-Halle geht bis zu einer Tiefe von ~60m. Es sind noch viele Dinge aus der Bergbauzeit ersichtlich. Treppen, Loren, Werkzeuge, ein altes Fahrrad, alte Beschriftungen und mehr machen den Tauchgang interessant und abwechslungsreich.

Der Großteil ist bereits verleint, dennoch ist es empfehlenswert, neben ein paar Spools auch ein Reel mitzunehmen.

Im Jahr 2015 kam es leider zu einem tödlichen Tauchunfall im Bergwerk, worauf das Tauchen kurzfristig untersagt wurde. Mittlerweile ist das Tauchen in Miltitz wieder freigegeben, vom Betreiber wurden jedoch folgende Regeln zwecks dem Tauchen im Kalkbergwerk erstellt:

Voraussetzungen zum Tauchen im Alten Kalkwerk Miltitz Stand 11/2015

  • Full Cave Zertifizierung der anerkannten Verbände
    (GUE, IANTD, ANDI, PATD, TDI, RAB, NACD, NSS, ISE)
  • Gültige Tauchtauglichkeitsuntersuchung
  • Tauchunfallversicherung für technisches Tauchen
    (z.B. DAN, AQUAMED, VDST)
  • Logbuchpflicht (Nachweis der letzten 30 Tauchgänge)
  • Unterschriebener Haftungsausschluss

Bei Tauchgängen mit geplanten Tiefen über 30m muss mindestens 10 Tage vorher eine Anmeldung des geplanten Tauchganges erfolgen, außerdem erforderlich:

  • Bei Tauchgängen mit O2 angereicherten Gemischen
    Nitrox Zertifikation o.g. Verbände
  • Bei Tauchgängen mit TMX Gemischen
    Trimix Zertifikation o.g. Verbände
  • Bei Tauchgängen mit Kreislaufgeräten
    – Rebreather Zertifikation für das benutzte Gerät
    – Deutsche Bauartzulassung für das benutzte Gerät

Solotauchgänge sind verboten.
Unautorisierte Ausbildung ist verboten.
Die Benutzung von Scootern ist verboten.
Die Benutzung von Urinalventilen ist verboten.

Teams, die mit TMX tauchen, müssen ein Gerät mit den entsprechenden Gasen zusätzlich
bereitstellen, das bis zur Beendigung des Tauchgangs am Einstieg für Rettungszwecke verbleibt.

 

Bergwerktauchen in Nuttlar

Eingang Bergwerk Nuttlar

Über 100 Jahre lang wurde im Schieferbergwerk Nuttlar abgebaut, in fünf Sohlen (Ebenen) entstanden so riesige Hallen und Gänge mit einer Gesamtlänge von ca 20 Kilometern.  Nachdem im Jahr 1985 der Strom abgestellt wurde, liefen natürlich auch keine Pumpen mehr, wodurch über die nächsten 7 Jahre die beiden unteren Sohlen des Bergwerks langsam überflutet wurden. Das Bergwerk in Nuttlar steht seit dem Jahr 2013 zertifizierten Höhlentauchern(*) offen, um auf einer Strecke von ca. 12km bei einer Maximaltiefe von 30 Metern erkundet zu werden. Jeder Tauchgang bietet Spielraum für Neues, jeden Winkel zu erkunden ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Der Eingang ist durch einen verschlossenen Baucontainer gesichert, eine Anmeldung über den Betreiber ist zwingend notwendig. Der Container bietet auch die Möglichkeit, Equipment gemütlich anzurödeln, bevor es über den Bremsberg zur Plattform hinunter geht, von der aus man wirklich gemütlich ins Wasser kommt.

Die Sicht ist wirklich beeindruckend, kleine Tarierfehler oder Wand-/Decken-/Bodenkontakt werden jedoch umgehend mit Sedimentaufwirbelung bestraft.

Neben Loren, ganzen Zügen, Lampen und mehr Details fanden wir auch eine Bude, in denen noch Kleidungsstücke der Bergleute aufgehängt waren. Enge Gänge und rießige Hallen beeindruckten uns während der Tauchgänge – zu viel um alles im Detail wahrzunehmen, da bei unserem ersten Besuch auch nur zwei Tage zur Verfügung standen.

Bei weiteren Tauchgängen entdeckten wir immer mehr – Hinterlassenschaften aus der Bergwerkszeit ebenso wie Gänge mit von Haus aus schlechter Sicht – ein krasser Kontrast zu den restlichen klaren Gängen und Hallen.

Mittlerweile besteht auch die Möglichkeit, Tauchflaschen nach oder zwischen den Tauchgängen von dem immer freundlichen Team vor Ort füllen zu lassen, auch einen Kaffee oder Tee gibt es dort zum Aufwärmen.

Bei einem GUE Projekt wurde ausführliches Kartenmaterial zu den überfluteten Gängen erstellt, die Pläne gibt es für alle Interessierten natürlich auch zum Download – einer prima Möglichkeit sich auf die Tauchgänge vorzubereiten. Da die erste betauchbare Sohle mit maximal 15 Metern tiefe sehr flach ist, bietet sie auch Tauchern ohne Stageflaschen weitreichende Möglichkeiten.

Das Bergwerk erlaubt auch Cave-Ausbildung, womit wir hier ein weiteres Objekt haben, in welchem Teile von Höhlentauchkursen in Deutschland abgehalten werden können.

* Auszug aus den Tauchvoraussetzungen des Betreibers, Stand 11.2017:

Full Cave zertifizierte Personen folgender Verbände: IANDT, NACD, NSS/CDS, GUE, ISE, UTD, PATD, CMAS CH sowie GUE und ISE Cave 1 Taucher können ohne Check Dive im Schieferbergwerk Nuttlar tauchen. Cave 1 Taucher anderer Verbände, sowie Höhlentaucher von hier nicht aufgeführten Verbänden, benötigen im Vorfeld einen Check Dive. Hierzu sind Terminabsprachen erforderlich.

Anfahrt:
Briloner Str. 48a, 59909 Bestwig

Als Übernachtungsmöglichkeit empfehlen wir das 5 Minuten entfernte Hotel Schettel in Olsberg.